Aufruf gegen Rassismus und zur Solidarität

Sehr geehrte Damen und Herren,
liebe Mitglieder und Freunde,

wiedermal ist in den USA ein Schwarzer Mitbürger brutales Opfer einer Rassistischen Tat eines weißen Polizisten geworden.

Die Welle der Anschläge und Gewalttaten reißt nicht ab, im Gegenteil geschürt durch Rechte und Populistische Regierungen in aller Welt, leider gibt es auch in Deutschland solche Gewalttaten und Morde, werden weiter Menschen aller Art diskriminiert, gefoltert, oder gar brutal ermordet, nur weil Sie anders Aussehen, eine andere Religion oder Sprache und Kultur haben.
Schon immer in der Menschheit war alles das was nicht so ist wie man selber – also fremd und anders – ein Grund diese auszugrenzen und Gewalttätig zu werden.

Die Naturfreunde fordern deshalb alle demokratischen und Zivilisierten Menschen auf Aufzustehen gegen Rassismus, Ausgrenzung und Gewalt gegen Andersdenkende und Minderheiten.
Schützen Sie die Demokratie mit Ihrer Solidarität für diese von der Gesellschaft misshandelten und verstoßenen in aller Welt, zeigen Sie Flagge für Toleranz und Gleichbehandlung!

Wehret den Anfängen. Schon einmal haben wir die Entwicklung des Rassismus und Faschismus unterschätzt und konnten einen Millionenfachen Mord an Menschen Jüdischen Glaubens Angehörigen der Sinti und Roma,
Menschen mit Beeinträchtigungen, Menschen mit ungewohnt sexueller Orientierung oder Politisch Andersdenkender nicht verhindern. Doch wir die Demokratischen, Toleranten und Offenen friedliebenden Menschen sind die große Mehrheit und das muss unbedingt so bleiben.
Seien Sie Solidarisch und zeigen sie Flagge!!!
Es gibt viele Möglichkeiten in Corona Zeiten auch Online dies zu tun. Danke für Ihre Solidarität für Ihre die Menschlichkeit!

mit solidarischen und
naturfreundlichen Grüßen

Oliver Hartmann
(NaturFreunde Kettig)
naturnah – sozial – heimatverbunden

Veranstaltungen werden vorerst eingeschränkt und kurzfristig stattfinden

Aufgrund der Corona Krise werden auch bei den Naturfreunden Kettig bis auf weiteres keine Veranstaltungen stattfinden falls es die Lage zulässt nur kurzfristig und mit entsprechenden Vorkehrungen.

Nach der Krise informieren wir Euch rechtzeitig wie es im Programm und bei uns weitergeht.

Wir danken für euer Verständnis und Solidarität in diesen schweren Zeiten und wünschen allen viel Gesundheit und auf ein baldiges Wiedersehen!

Berg Frei

Ihre NaturFreunde Kettig

Sehr interessanter Gastvortrag bei den NaturFreunden – „Klimawandel und Gesundheit“

Bei der Mitgliederversammlung der NaturFreunde Kettig konnten die Mitglieder den Kettiger Bürgermeister Peter Moskopp – zugleich Mitglied der Ortsgruppe Kettig – und den stellvertretenden Vorsitzenden der NaturFreunde Rheinland-Pfalz Stephan Schenk aus der Pfalz begrüßen.
Peter Moskopp begrüßte die anwesenden Mitglieder herzlich und berichtet von den Vorhaben der Gemeinde in Sachen „Aufforstung“ des Kettiger Waldes, die bei den Anwesenden sehr positiv aufgenommen und spontan die Unterstützung der NaturFreunde zugesagt wurde.
Nach der Feststellung der Beschlussfähigkeit und des Totengedenken stellte Claudia Hartmann für das Vereinsjahr 2019 die Informationen zur Kasse vor (leichter Überschuß in 2019 erwirtschaftet; Kassenbestand auf gutem Niveau).
Nach dem Bericht der Kassenprüfer wurde der Vorstand und die Kasse mit großer Mehrheit entlastet.
Die hieran anschließende Wahl des Vorstandes wurde von Peter Moskopp geleitet.
Folgende Personen wurden in den Vorstand gewählt bzw. wiedergewählt.
Vorsitzender Oliver Hartmann, Stellv. Vorsitzender Ralf Arnold, neuer Schriftführer Achim Theisen, neue Kassiererin Birgit Baunach, 1. Beisitzerin Claudia Hartmann und neuer 2. Beisitzer Patrick Simmer.

In seinen Rückblick konnte der wieder bestätigte Vorsitzende auf ein abwechslungsreiches und interessantes Programm in 2019 zurückblicken. So zum Beispiel die beliebte Kräuterwanderung, die Führung zum Internationalen Frauentag in Koblenz, die Teilnahme an der Klimademo „Zukunft“ in Koblenz, den Naturerlebnistag auf dem Permakulturgelände in Andernach Eich. Die Protestaktion in Büchel gegen Atomraketen und die Führung in der Gedenkstätte KZ Osthofen waren weitere Highlights bei den NaturFreunden aus Kettig 2019.
Auch beim Vernetzungstreffen gegen Rechts vom DGB zeigten die NaturFreunde „Flagge“ und setzten ein weiteres Zeichen gegen populistische und rassistische Bewegungen in Deutschland mit der Teilnahme der Anti Rechts Demo in Remagen.
Die NaturFreunde unterstützen im Rahmen ihrer Migrationsarbeit aktuell zwei Flüchtlingsfamilien.
Auch auf der Streuobstwiese gab es mehrere Aktionstage im letzten Jahr.

Der stellv. Vorsitzende Ralf Arnold informierte die Anwesenden von den Ergebnissen der Landesdeligiertenkonferenz der NaturFreunde Rheinland-Pfalz in Hochstadt und über die Themen des Vernetzungstreffen der Naturfreunde Südwest in Grötzingen nahe Karlsruhe mit über 200 Teilnehmern. Schwerpunkte beider Treffen waren das Manifest der NaturFreunde zu Umwelt, Klima und sozialem Miteinander sowie die weitere Positionierung und Entwicklung des vom Lobbyismus unabhängigen Verbandes der NaturFreunde Deutschlands.

Oliver Hartmann stellte das vielfältige Programm der Ortsgruppe Kettig für 2020 vor.
Highlights hier: Die musikalische Wanderung mit dem Kirchenchor Kettig über den Streuobstwiesenweg, die historische Ortsführung durch Kettig, die Führung am Goloring. Auch die bekannte Vogelstimmenwanderung und Kräuterwanderung werden 2020 im Programm nicht fehlen.
Unter dem Motto „Das wandern ist des Müller’s Lust“ wird Ralf Arnold als lizenzierter Wanderleiter ab April an jedem 1. Donnerstag im Monat um 10.00 Uhr einen Traumpfad zum mitwandern anbieten. Des Weiteren werden zwei Veranstaltungen „Genußwandern mit Yoga“ angeboten. Die Termine, Treffpunkte sowie weitere Infos zu allen Veranstaltungen werden auf der Internetseite der NaturFreunde Kettig www.naturfreunde-kettig.de rechtzeitig veröffentlicht.

Der Vorsitzende dankte den Vorstandsmitgliedern Ralf Arnold, Achim Theisen und Claudia Hartmann für die Unterstützung und Solidarität im vergangenen Jahr.

Zum Abschluß der Mitgliederversammlung begrüßten die Mitglieder die Referentin zum Thema „Klimawandel und Gesundheit“, Frau Mareike Bernhard aus Koblenz.
Frau Bernard konnte den interessierten Zuhörern sehr anschaulich vermitteln, wie sich die Gesundheit der Menschen in den letzten Jahren durch den immer stärker werdenden Klimawandel bereits negativ verändert hat und noch verändern wird. Auch in Deutschland – so die 30 jährige Ärztin aus Koblenz – erkranken immer mehr Menschen durch immer extremer werdende Wetterbedingungen und sterben auch hierdurch. Vor allem ältere Menschen sowie Menschen mit Allergien oder Herzproblemen sind besonders von den extremen Wetterbedingungen betroffen.
Um den Klimawandel aufzuhalten sei es schon zu spät. Jetzt geht es darum, ihn auf max 1,5 Grad bzw. 2 Grad Erderwärmung zu begrenzen. Das kann zum einen nur geschehen, wenn die politischen Rahmenbedingungen nachhaltig geschaffen werden und dies schnellst möglich. Zum anderen ist ein Umdenk- Prozess bei jedem Einzelnen zu nachhaltigem und Ressourcen schonendem Handeln erforderlich; jeder noch so kleine Schritt hilft in der Summe.
Wir müssen uns vor Augen führen: Die Natur hat die Eiszeit überstanden. Diese wird auch den Klimawandel überstehen! Daher müssen zur Erhaltung unserer Erde als lebenswerten Raum die Prioritäten zwischen Wirtschaft, Mensch und Umwelt neu definiert werden.
Bisher steht das Wirtschaftswachstum, somit auch der Profit, dies bei hohem Ressourcen Aufwand, zu weit vorne. Dies müsse neu definiert werden, um die Ziele zur Begrenzung der Erderwärmung auch für unsere nachfolgenden Generationen noch erreichen zu können. Jeder einzelne sollte überlegen, wie er zum Klimaschutz beitragen kann und entsprechend handeln, denn wir haben nur die eine Welt – unsere Erde – so Frau Bernard.
Als Dank überreichte Oliver Hartmann Mareike Bernard ein Präsent und bedankte sich – stellvertretend für die Mitglieder – für ihren sehr fundierten und Facettenreichen Vortrag.

Führung in der Gedenkstätte Osthofen (KZ)

Gemeinsam mit den Südpfälzer NaturFreunden aus Hochstadt besichtigten die
NaturFreunde Kettig das ehemalige KZ Osthofen in der Nähe von Worms.

Die Besuchergruppe wurde von der Studentin Christine Fischer herzlich empfangen und zuerst in einen Raum geführt wo die 25 jährige einiges zur Vorgeschichte des KZ Osthofen und der Nazidiktatur sagte, was sie an anschaulichen Bild material gut den sehr Interessierten Zuhören nahe bringen konnte.

Die stillgelegte Papierfabrik wurde Anfang März 1933 zum Konzentrationslager ausgebaut und inhaftierte dort insgesamt knapp 3000 Häftlinge. Diese waren meist Politische Gegner aber auch Juden oder Sinti & Roma.

Frau Fischer konnte anhand von Berichten von Überlebenden ergreifende Geschichten erzählen die sich in dem Lager zugetragen haben.
Die Haftdauer pro Häftling lag zwischen 4 bis 6 Wochen auf dem recht kleinen Gelände mit einer großen Fabrik Halle wo ungefähr zw. 250 bei 300 Menschen auf dünn bedeckten Strohboden und zugigen Fenstern schlafen und essen mussten.
Die Häftlinge mussten sich selber verpflegen , was bei dünner Suppe und etwas Brot sehr schwierig war. Alle Menschen dort litten unter teils schweren Misshandlungen, Demütigungen, Krankheiten, harter Arbeit und schlechten Hygienischen Verhältnissen.

Trotzdem gab es keine Todesfälle, wenn diese abzusehen waren, wurde die Person vorher entlassen um den „guten Ruf“ des Lagers aus der Sicht der Nazis nicht zu gefährden. Auch einige wenige Fluchten gab es wie die junge Frau Fischer berichtete. Die Häftlinge mussten viel unnütze und demütigende Arbeiten verrichten zum Beispiel mit den Händen oder dem Essgeschirr die Grube die als
Toilette diente sauber zumachen.

Im Juli 1934 wurde das KZ Osthofen aufgelöst und die restlichen Insassen nach in andere KZ verteilt. Später siedelte sich eine Möbelfabrik dort an bis nach der Pleite in den 90iger Jahren das Land Rheinland Pfalz das Anwesen kaufte.

Am Schluss der Führung gab es noch die Möglichkeit die anschauliche Dauerausstellung anzusehen was die Naturfreunde gerne nutzen.

Der Vorsitzende der Kettiger Naturfreunde Oliver Hartmann bedankte sich bei Frau Fischer für die äußerst interessante Führung als auch bei den Hochstädter Naturfreunden für ihre Teilnahme, und verwies darauf wie es grade heute wieder wichtig es sei immer wieder daran zu erinnern, was die Nazis angerichtet und verbrochen haben, und es als Mahnung verstanden werden muss das so was nie wieder passieren darf.

Klimapolitische Apartheid wird nur zu mehr Tragödien im Mittelmeer führen

Von Carola Rackete – eine deutsche Seekapitänin, die ehrenamtlich für die Seenotrettungsorganisation Sea-Watch tätig ist.

Was ich von meinem Schiff im Mittelmeer aus gesehen habe, ist nur ein flüchtiger Eindruck von dem, was die Zukunft für Millionen bereithält, wenn wir jetzt nicht handeln. Verhaftet zu werden im Hafen der italienischen Insel Lampedusa zog große mediale Aufmerksamkeit auf mich persönlich: Ich bin eine junge Frau und Kapitänin eines Schiffs, der Sea Watch 3, das gerade 40 Menschen aus dem Mittelmeer gerettet und in Sicherheit gebracht hatte. Meine Verhaftung geschah nach vierzehn Tagen auf See und dem Versuch, eine politische Lösung herbeizuführen, um diese Flüchtlinge aus dem Bürgerkrieg in Libyen legal an Land zu bringen. Mein Schiff fuhr in italienische Gewässer, obwohl dem ein ausdrückliches Verbot von Matteo Salvini entgegenstand, dem weit rechts stehenden (italienischen) Innenminister: Und so wurde ich in den bzw. für die Medien zu der Frau, die sich den Rechten in Italien und Europa wiedersetzte.

Die italienischen Behörden ermitteln noch immer gegen mich (auch wenn ein Richter den Haftbefehl aufgehoben hat, weil ich versucht habe, Leben zu retten) – aber: Bin ich besorgt? Ehrlich gesagt, nein, weil mein Vorgehen legitim war. Wovor ich wirklich Angst habe, ist der Schaden, den wir unserem Planeten zufügen und die Feinseligkeit, die möglicherweise denen entgegenschlägt, die vor Dürre, Hunger, Feuer und Stürmen fliehen. Für mich sind die Gefahren des Klimawandels und die Notwendigkeit, denen zu helfen, die das Mittelmeer zu überwinden versuchen, direkt miteinander verbunden.

Viele Menschen machen sich verständlicherweise Gedanken darüber, die Zusammenhänge zwischen Migration und Klimakrise zu diskutieren, weil sie befürchten, dass dies zu mehr Fremdenfeindlichkeit und noch strengeren Maßnahmen an den Grenzen führen wird. Der Punkt ist allerdings, dass diese Fremdenfeindlichkeit und diese Grenzmaßnahmen längst da sind. Ich habe sie mit meinen eigenen Augen gesehen, in den Menschen, die ich aus dem Meer gezogen habe – und in denen, wo ich zu spät kam, um sie zu retten.

Der dramatische Klimawandel verschärft nur noch die Ursachen, die die Menschen ohnehin schon zur Migration treibt, nämlich verzweifelte sozioökonomische Verhältnisse oder politische Unterdrückung. In einer Lebensumgebung, in der Menschen ohnehin schon ums Überleben kämpfen, erhöht der Zusammenbruch des Klimas den Druck. Sei es durch steigende Meeresspiegel, Wasserknappheit, Unwetterschäden oder Ernteausfälle. Die Menschen, die in den am meisten benachteiligten Regionen der Erde leben – und die am wenigsten zu der Klimakrise beigetragen haben – sind auch die ersten, die mit den Auswirkungen konfrontiert sind. Die verheerenden Unwetter in Mosambik, die Dürre in Somaliland, an deren Folgen der Großteil des Viehs dort verendet ist, und die Hitzewellen in Indien sind allenfalls ein Vorgeschmack darauf, was geschehen wird, wenn wir weiterhin Treibhausgase in die Atmosphäre pumpen. Mehr und mehr Menschen werden sich auf den Weg machen müssen, nur um zu überleben.

In den nächsten paar Jahrzehnten werden Millionen gezwungen werden, auf die Flucht zu gehen, um ständig sich verändernden und schlimmer werdenden Umwelteinflüssen aus dem Weg zu gehen. Bisher flüchteten die meisten nur innerhalb ihres Landes, von ländlichen in städtische Regionen oder sie zogen um in Nachbarländer. Nur ein Bruchteil nimmt längere Reisen auf sich. Sie stranden dann vor den Mauern der Länder, die oft mitverantwortlich sind für die Umweltbedingungen und politischen Umstände, vor denen diese Menschen fliehen. Der globale Norden hat in der kolonialen Glanzzeit erobert und geplündert und hält noch immer Länder in Geiselhaft für ihre Schulden; gleichzeitig entzieht er diesen Menschen ihre zum Leben notwendigen Güter durch seine eigene Abhängigkeit von Luxusgütern mit hohem CO2-Verbrauch.

Und in dieser Situation sehen wir dann noch ein Anschwellen der Rhetorik von rechts in den reichen Ländern. Das hat verheerende Auswirkungen auf die Betroffenen, seien es Menschen in den einschlägig bekannten Internierungslagern Manus und Nauru in Australien, die sich umbringen; oder Menschen, die in der Obhut der US-Einwanderungs- und Zollbehörde (ICE) sterben; oder solche, die im Mittelmeer ertrinken, aktuell die tödlichste Grenze weltweit. Die Politiker begründen diese entsetzlichen Umstände damit, dass weitere Menschen von der Flucht abgehalten werden sollen. Allerdings legt die Zahl der Migranten, die nach wie vor kommen, nahe, dass diese Strategie nicht funktioniert. Unbestritten ist, dass nicht jeder Migrant aus klimatischen Gründen kommt. Andererseits wird der Klima-Notstand

jede „Migrantenkrise“, die wir aktuell haben, wie ein Kaffeekränzchen aussehen lassen.

Ein Bericht des Sonderberichterstatters der Vereinten Nationen über Armut und Menschenrechte warnte kürzlich vor einer drohenden „Klima Apartheid“, in der der arme Teil der Menschheit unter den schwersten Auswirkungen des Klima- Zusammenbruchs leiden wird, während sich die Reichen ihren Weg in relative Sicherheit kaufen können. „Die Menschenrechte werden den sich abzeichnenden Umsturz möglicherweise nicht überleben“. So die düstere Schlussfolgerung des Berichts. Meine größte Angst ist, dass diese dystopische Vision für unsere Zukunft wahr werden könnte. Dass die Erosion der Menschenrechte schon in vollem Gange war, konnte ich in Italien sehr klar erkennen.

Was die Crew der Sea Watch und ich getan haben, war eine ziemlich kleine Sache. Ein Augenblick der Solidarität mit denen, deren Leben akut bedroht war. Im Nachhinein würde ich zustimmen, dass daran auch etwas Symbolisches war: Es zeigt die Scheinheiligkeit der Haltung der EU zum Thema ‚Migration‘, bringt aber auch deutlich zum Ausdruck, welche Zukunft wir uns wünschen: Eine Zukunft globaler Gleichheit, Solidarität und Gerechtigkeit.

Ich habe auf Polarforschungsschiffen gearbeitet und dabei die Auswirkungen der globalen Erwärmung auf die Natur aus erster Hand erlebt. Bei meinem ehrenamtlichen Einsatz auf der Sea Watch habe ich eine Ahnung davon bekommen, wie die Zukunft für Millionen von Menschen, sogar für Milliarden, aussehen könnte. Es gibt immer diejenigen, die Katastrophen künstlich herbeiführen oder daraus ihre Vorteile ziehen, um mehr Vermögen und Macht zu gewinnen. Die Klimakrise wird Katastrophen verursachen, die Tyrannen und Faschisten helfen, die Zügel in die Hand zu bekommen. Wir müssen tun, was wir können, um sie dabei aufzuhalten, in Europa Fuß zu fassen.

Es reicht nicht für Europäer, wenn sie denjenigen Beifall spenden, die das Konzept der ‚Festung Europa‘ in Frage stellen. Wir werden durch passive Unterstützung nichts ändern. Wir alle müssen aktiv sein im Fordern und im Gestalten der Zukunft, die wir wollen. Schließen Sie sich Bewegungen an gegen den dramatischen Klimawandel. Verringern Sie Ihren persönlichen CO2-Fußabdruck – und zwar entscheidend. Helfen Sie Migranten und Flüchtlingen, die schon in Ihrem Land angekommen sind, sich in Ihre Gesellschaft zu integrieren. Unterstützen Sie Organisationen wie Sea Watch, wie auch immer Sie können. Und setzen Sie sich ein und stimmen Sie – gegen die Politik von Hass und Spaltung.

Als deutsche Staatsbürgerin habe ich das Privileg, eine Verhaftung zu riskieren ohne befürchten zu müssen, dass ich an einen gefährlichen Ort deportiert werde oder im Meer ertrinken muss. Allerdings habe ich als Deutsche auch einen anderen Gedanken: Die meisten von uns fragen sich, was wir getan hätten in den dreißiger Jahren des letzten Jahrhunderts, als rassistische Theorien zu rassistischer Politik wurden und schließlich zum Völkermord führten. Mein Handeln mit der Sea- Watch, so hoffe ich zumindest, zeigt mir, was ich getan hätte, wenn ich damals gelebt hätte. Die Frage, die ich für Sie habe ist: Was werden Sie nun tun?