Auch essbare Pilze verträgt nicht jeder

Nach dem nahezu völlig pilzleeren letzten Jahr, wo es wegen der anhaltenden Trockenheit fast nichts zu finden gegeben hatte, hält die diesjährige Pilzsaison schon seit Monaten eine große Fülle an Pilzen bereit. Die diesjährige Pilzführung der NaturFreunde Kettig am Karmelenberg in Bassenheim, unter der Führung von Stephanie Shirazi war darum eine unterhaltsame und erfreuliche Erfahrung. Freundlich begrüßt vom Vereinsvorsitzenden Oliver Hartmann konnten viele der knapp 40 Teilnehmer sich daher tatsächlich etwas für eine Mahlzeit mit nach Hause nehmen, da wir an essbaren Pilzen den Nebelgrauen Trichterling (auf einzelne Unverträglichkeiten wurde mehrfach von Frau Shirazi hingewiesen), Halimasch, Stockschwämmchen, Parasolpilz und seinen kleinen Bruder Safranschirmling, Fichtenreizker, Boviste, Rotfüßchen, Ziegenlippen, Schwefelporling und Semmelstoppelpilze fanden. Und natürlich zu erwähnen die zwei Steinpilze, an denen der Unterschied zu Gallenröhrlingen von ganz Mutigen getestet wurde. Besonders aufmerksam musste man sein, weil sich unter die Nebelgrauen Trichterlinge in den Körben auch etliche giftige Tigerritterlinge und graue Milchlinge gemischt hatten. Da hieß es wirklich sehr genau hingucken. Auch der giftige grünblättrige Schwefelkopf und sein köstlicher Suppenpilzkollege, das Stockschwämmchen, wurden systematisch verglichen. Man hätte auch auf den giftigen Riesenschirmling reinfallen können, der auf den ersten Blick wie ein Parasolpilz aussieht. Zum Begreifen, wie zentral das genaue Hinsehen ist, war das eine wichtige erste Lektion. Auch, dass die Informationen in alten Pilzbüchern sehr schädlich sein können, wurde bei den Funden des kahlen Kremplings klar. Galt er früher als Speisepilz, weiß man heute um seine nach Jahrzehnten eintretende, zuweilen tödliche Wirkung. Die Nase bekam auch zu tun, denn Knoblauchschwindling und Anistrichterling, Rettichhelmling und Schwefelritterling (beide giftig) machen deutlich, dass beim Pilze bestimmen jeder Sinn gefordert sein kann und das manchmal schon sehr eindrücklich ist. An ungenießbaren Pilzen wurden viele weitere Milchlinge, Elsterntintlinge, verschiedene Baum- und Korallenpilze, Birnenstäublinge und ein besonders hübscher Klebriger Hörnling gefunden. Überhaupt sind ja viele Pilze eine reine Augenweide und fordern die Fotografierfreudigen heraus, so auch einer der besonders giftigen Risspilze mit einem zarten gelben Hütchen. Selfies mit Knollenblätterpilz gab es aber keine – denn es wurde dank gründlicher Warnung und Beschreibung diesmal wirklich kein einziger in die Körbe gelegt. Es mussten auch viele eigentlich ursprünglich essbare Pilzgreise aussortiert werden, die durch Fäulnis giftiger sein können, als Giftpilze. Ebenso wurde mehrfach darauf hingewiesen, dass es einfach keine Grundregel gibt, Pilze in essbar oder giftig einzuteilen. Es tauchten auch auf dieser Pilzführung immer wieder allerlei sich hartnäckig haltende „sichere“ Generalregeln auf, die dann mit vielen Gegenbeispielen widerlegt werden konnten. Man muss die Pilze wirklich einzeln lernen. Zum Abschluss der Führung gab es zwei verschiedene Pilzsuppen zum Probieren, die in inzwischen bewährter Tradition von Axel Strehlau im Camper gekocht wurden, während alle anderen sich im Wald aufhielten. Beide Töpfe wurden in Windeseile restlos geleert und das Sparschwein der Kettiger Naturfreunde dankenswerter Weise gefüllt. Alles in Allem also eine gelungene Veranstaltung, zumal die ersten Regentropfen erst nach Abschluss der Führung fielen. Auch im nächsten Jahr wird eine ähnliche Veranstaltung geben.

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